Der Termin ist um 15 Uhr. Um elf schaust du schon auf die Uhr. Für ein großes Projekt erscheint die Zeit zu knapp, eine kleine Aufgabe fällt dir gerade nicht ein. Also wartest du — und der Termin belegt mehr von deinem Tag als seinen eigentlichen Platz im Kalender.
Mit Wartemodus ist hier genau diese Alltagssituation gemeint: Ein bevorstehender Termin steht gedanklich im Vordergrund, während andere Tätigkeiten schwer anzufangen sind. Der Begriff beschreibt eine Erfahrung, keine eigenständige Diagnose. Die folgenden Planungsideen sind Vorschläge zum Ausprobieren, keine Erklärung dafür, warum du persönlich so empfindest.
1. Schau auf die Zeit bis zur Vorbereitung
In unserem fiktiven Beispiel hat Alex um 15 Uhr einen Termin. Der Weg dauert voraussichtlich 40 Minuten. Alex möchte um 14:50 Uhr ankommen und braucht vorher 20 Minuten für Tasche, Schuhe und Unterlagen.
| Zeitpunkt | Was ansteht |
|---|---|
| 15:00 | Terminbeginn |
| 14:50 | Ankommen und orientieren |
| 14:10 | Losgehen |
| 13:50 | Vorbereitung beginnen |
| 13:40 | Vorherige Tätigkeit beenden; zehn Minuten Übergang |
| 12:30–12:45 | Optional: eine kleine, abschließbare Tätigkeit |
Die Uhrzeiten sind ein Rechenbeispiel. Prüfe deinen tatsächlichen Weg, Zugang, benötigte Vorbereitung und einen passenden Puffer. Entscheidend ist hier die Frage: Wie viel Zeit bleibt bis zur Vorbereitung, nicht nur bis zum Termin?
2. Gib einer Tätigkeit ein sichtbares Ende
„Noch schnell Haushalt machen“ hat kein klares Ende. „Fünf trockene Handtücher zusammenlegen“ schon. Statt „am Projekt arbeiten“ könnte ein begrenzter Schritt heißen: „Die drei Fragen für das nächste Gespräch notieren“.
Wähle etwas, das du beim Stoppen tatsächlich liegen lassen kannst. Ein kurzer Anfang, der weitere zwingende Schritte auslöst, passt vielleicht nicht in dieses Fenster. Ein Update mit unbekannter Dauer oder eine aufwendige Kochidee wird nicht dadurch klein, dass du sie schnell beginnen möchtest.
Auch zwei Seiten lesen, etwas essen oder bewusst ruhen sind mögliche Entscheidungen. Freie Zeit ist kein Auftrag, möglichst viele Aufgaben hineinzupacken.
3. Plane das Stoppen vor dem Starten
Alex entscheidet sich für die Handtücher von 12:30 bis 12:45 Uhr. Danach wird neu geschaut; daraus entsteht keine Zusage für einen ganzen produktiven Vormittag. Für eine spätere Tätigkeit gilt weiterhin die Grenze um 13:40 Uhr.
Lege vorher fest, was beim Stoppen geschieht: Material ablegen, den aktuellen Stand markieren und zur Vorbereitung wechseln. Wenn sich etwas häufig schwer unterbrechen lässt, wähle für dieses Zeitfenster eine andere Tätigkeit oder lass es frei.
4. Eine Erinnerung braucht eine konkrete Handlung
Falls du Erinnerungen verwendest, benenne den nächsten Schritt: „13:40 — aufhören und Stand notieren“ oder „13:50 — Tasche und Schuhe“. Prüfe Lautstärke, Gerät und Zeitpunkt passend zur Situation. Eine Erinnerung garantiert nicht, dass du sie wahrnimmst oder sofort wechseln kannst.
Du musst den Termin dafür nicht ständig neu kontrollieren. Wenn noch eine Information fehlt — etwa die Adresse — gehört deren Prüfung zur Vorbereitung. Wie du Ort, Weg und Unterlagen zusammenhältst, zeigt der bestehende Beitrag Termine mit ADHS vorbereiten.
5. Wenn gerade nichts passt, darf das Fenster frei bleiben
Vielleicht ist der Weg unklar, du brauchst mehr Vorbereitung oder möchtest vor dem Termin keine weitere Verpflichtung. Dann ist „Ich esse etwas und bereite mich anschließend vor“ eine vollständige Entscheidung.
Verkleinere nicht den nötigen Puffer, um doch noch eine Aufgabe unterzubringen. Ändert sich der Termin, prüfe Vorbereitung und Losgehzeit erneut. Dringende Aufgaben und bestehende Verpflichtungen brauchen eine eigene Entscheidung; dieses Beispiel hebt sie nicht auf.
6. Eine Notiz zum Kopieren
Termin und Ort: …
Losgehen / bei Online-Terminen einloggen: …
Vorbereitung beginnt: …
Vorher möglich oder bewusst frei: …
Sichtbares Ende dieser Tätigkeit: …
Stoppen und wechseln um: …
Für die kleine Version reichen zwei Angaben: Wann beginnt die Vorbereitung? Was mache ich bis dahin — oder lasse ich offen? Die Notiz muss nicht zu einem neuen Planungssystem werden.
7. Probiere es an einem echten Termin aus
Nimm den nächsten späteren Termin. Rechne vom gewünschten Ankommen zurück und wähle höchstens eine begrenzte Tätigkeit für die Zeit davor. Nach dem Termin kannst du prüfen: War das Ende klar? Passte der Übergang? Was würdest du beim nächsten Mal anders ansetzen?
Wenn du Zeitabstände und Losgehzeiten genauer betrachten möchtest, findest du im Beitrag Zeitblindheit mit AuDHS weiteren Kontext. Für heute genügt eine Entscheidung darüber, was vor der Vorbereitung wirklich Platz hat.

