Warum meinsystem.app existiert

Von der Zettelwand zur App.

Ich bin Max Anton Schneider. Mit 19 bekam ich meine ADHS-Diagnose, mit 26 meine Autismus-Diagnose. meinsystem entstand nicht aus einem Businessplan, sondern aus der Frage, wie ich morgens ins Handeln komme, wenn mein Kopf keinen nächsten Schritt findet.

Max Anton Schneider, Gründer von meinsystem.app

Max Anton Schneider

Gründer von meinsystem.app

Mit 19 ADHS. Mit 26 Autismus.

Sieben Jahre lang wusste ich schon, dass mein Kopf anders arbeitet – und trotzdem fehlte noch ein großes Stück der Erklärung. Die ADHS-Diagnose half mir, vieles einzuordnen. Aber sie erklärte nicht, warum ich klare Abläufe so dringend brauchte, warum spontane Änderungen und Reize mich so erschöpfen konnten oder warum nach außen unauffällige Situationen innerlich so viel Kraft kosteten.

Erst mit der Autismus-Diagnose verstand ich die Widersprüche besser: Mein ADHS sucht neue Ideen, Bewegung und schnelle Reize. Mein autistischer Anteil braucht Vorhersehbarkeit, Tiefe und einen klaren Ablauf. Ich kann Abwechslung wollen und von Veränderungen überfordert sein. Ich kann Struktur brauchen und mich gleichzeitig an ihr langweilen.

Genau diese Kombination macht den Alltag für mich so schwer. Oft brauche ich Freiheit und Halt zur selben Zeit. Die Diagnosen haben mich nicht verändert. Sie gaben mir eine Sprache für das, was schon lange da war – und halfen mir, meinen Alltag nicht länger gegen meinen Kopf zu bauen.

Am Anfang stand ein überfordernder Morgen.

Ich wachte auf und hatte sofort zu viele Gedanken im Kopf. Was muss ich machen? Womit fange ich an? In welcher Reihenfolge? Aus einfachen Aufgaben wurden viele Entscheidungen gleichzeitig.

Manchmal geriet ich in einen Loop, bekam einen Meltdown, legte mich wieder ins Bett oder blieb beim Doomscrolling hängen. Der Tag fühlte sich vorbei an, bevor er richtig begonnen hatte.

Das hatte nichts mit fehlender Willenskraft zu tun. Das ständige Neuentscheiden verbrauchte die Energie, die ich eigentlich zum Anfangen gebraucht hätte.

Papier wurde mein Backup-Plan.

Ich schrieb zuerst meine Morgenroutine auf — nicht nur als Überschrift, sondern Schritt für Schritt. Dann folgten die Abendroutine, Essen, wiederkehrende Aufgaben und Abläufe für Termine oder Einkäufe.

Wenn ich nicht weiterwusste, konnte ich nachsehen. Die Entscheidungen waren in einem ruhigeren Moment schon getroffen worden. Das gab mir Sicherheit, half mir, mich zu erden, und nahm meinem Kopf einen Teil der Arbeit ab.

Die Entwicklung auf Papier

Aus einem Blatt wurde eine ganze Wand.

Die Fotos zeigen, wie mein externes Gedächtnis gewachsen ist: von den ersten Routinen bis zu einem ganzen Raum voller Abläufe, Regeln und Erinnerungen.

Die ersten handgeschriebenen Routinen und Ziele an meiner Wand
1 · Die ersten Routinen bekamen eine sichtbare Reihenfolge.
Mehr handgeschriebene Routinen, Abläufe und Ausnahmen an der Wand
2 · Weitere Situationen, Ausnahmen und Regeln kamen dazu.
Mein Zimmer mit einer ganzen Wand voller handgeschriebener Pläne und Routinen
3 · Schließlich war fast der ganze Raum Teil des Systems.

Aus dem Backup-Plan wurde eine App.

Ich probierte To-do-Apps, Kalender und Kombinationen aus beidem. Aber immer fehlte etwas: wiederverwendbare Abläufe, Routinen für bestimmte Tage oder Listen, die direkt zu einem Termin gehören.

Über ungefähr ein Jahr übertrug ich meine Zettel Schritt für Schritt in eine eigene App. Ich benutzte sie, merkte, wo ich noch hängen blieb, und verbesserte sie weiter. Die Funktionen entstanden nicht aus einer Produkt-Roadmap, sondern aus meinem echten Alltag.

"Ich möchte nicht jeden Tag alles neu entscheiden müssen. Ich möchte nachsehen können, wenn ich nicht weiterweiß."

Struktur ist für mich ein Geländer, kein Käfig.

Ich kann mein Leben nicht vollständig planen — und will das auch nicht. Ich bereite vor allem die Stellen vor, an denen dieselben Entscheidungen mir immer wieder Energie nehmen.

Die Struktur schreibt mir nicht vor, wie ich leben muss. Sie ist da, wenn ich Orientierung brauche, und gibt mir die Möglichkeit zurück, mit einem machbaren Schritt anzufangen.

Mein Backup-Plan heute

Die Hilfe ist jetzt an meinem Handgelenk.

Heute öffne ich morgens als Erstes meinsystem auf meiner Apple Watch. Ich sehe, was jetzt ansteht, und danach den nächsten Schritt — ohne zuerst den ganzen Tag im Kopf sortieren zu müssen.

meinsystem mit meinem aktuellen Tagesabschnitt auf meiner Apple Watch
4 · Die Heute-Ansicht zeigt mir, was gerade ansteht.
Die Schritte meiner Morgenroutine in meinsystem auf meiner Apple Watch
5 · In Routinen sehe und erledige ich einen Schritt nach dem anderen.
Meine Essentials-Liste in meinsystem auf meiner Apple Watch
6 · Wiederkehrende Listen sind unterwegs direkt verfügbar.

Was sich dadurch verändert hat

Weniger

Neuentscheiden

Abläufe sind vorbereitet

Ein Schritt

nach dem anderen

statt alles gleichzeitig

Immer dabei

auf der Watch

Hilfe, wenn ich feststecke

Schwierige Morgen sind dadurch nicht verschwunden. Aber ich habe einen Weg zurück in den Ablauf. Der Plan steht schon, und ich muss in einem überforderten Moment nicht wieder bei null anfangen.

Warum ich das teile.

Ich habe meinsystem gebaut, weil ich es selbst gebraucht habe — nicht als weiteren Produktivitätshack, sondern als praktische Hilfe für Menschen, deren Alltag ähnlich funktioniert.

Diese Seite erzählt die kurze Geschichte. Im Blog schreibe ich ausführlicher über die Zettelwand, das Jahr der Entwicklung und darüber, warum weniger Entscheidungen das Anfangen erleichtern können.

Das ist meine persönliche Erfahrung mit AuDHS und Alltagsstruktur. meinsystem ist ein Planungstool und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.