Christsein mit AuDHS: Warum du kein schlechter Christ bist
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Christsein mit AuDHS: Warum du kein schlechter Christ bist

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Christsein mit AuDHS: Warum du kein schlechter Christ bist

Ich bin dieses Jahr aus meiner Gemeinde ausgetreten.

Lange dachte ich, das macht mich zu einem schlechten Christen.

Nicht, weil mein Glaube weg ist. Sondern weil ich es neben Arbeit, Haushalt und allem anderen, was so ein Leben mit sich bringt, einfach nicht mehr geschafft habe.

Und ich kenne dieses Gefühl danach genau:

"Ich bin ein schlechter Christ, weil ich nicht bei allem dabei sein kann."

Vielleicht kennst du diesen Gedanken auch.

Falls ja, dann ist das Erste, was ich dir sagen möchte:

Du bist damit nicht allein. Und nichts davon macht dich zu einem schlechten Christen.

Ich schreibe das aus eigener Erfahrung. Ich habe AuDHS, also die Kombination aus Autismus und ADHS. Vieles von dem, was im Gemeindeleben selbstverständlich klingt, kostet mich ein Vielfaches an Kraft.

Lange habe ich gedacht, das liegt an mir.

Heute glaube ich: Es liegt an einem Gehirn, das anders funktioniert, und an Erwartungen, die oft nicht für so ein Gehirn gemacht sind.


Reizüberflutung ist keine Glaubensschwäche

Der Sonntag ist nicht das Problem mit deinem Glauben.

Der Lärm. Die Gerüche. Das Licht. Der Smalltalk. Das Lächeln-Müssen.

Dieses "Wie geht es dir?", das man zum hundertsten Mal mit "gut" beantwortet, obwohl gar nichts gut ist.

Für mich ist das oft unfassbar anstrengend.

Ich bin von der Woche ohnehin schon erschöpft, und dann liegt der Sonntag manchmal obendrauf wie der letzte Stein, der gerade noch gefehlt hat.

An vielen Sonntagen habe ich es einfach nicht geschafft.

Und lange dachte ich, das sei ein Glaubensproblem.

Heute sehe ich das anders.

Das ist kein schwacher Glaube. Das ist ein Gehirn, das die ganze Woche am Limit läuft und irgendwann nichts mehr übrig hat.

Wenn du an Jesus glaubst, bist du sein Kind. Das hängt nicht davon ab, wie voll dein Akku am Sonntagmorgen ist.

Reizüberflutung ist keine Glaubensschwäche.


Die Scham, anders zu sein

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Alle anderen scheinen ihren Glauben problemlos zu leben.

Sie gehen sonntags in den Gottesdienst. Sie dienen in der Gemeinde. Sie lesen regelmäßig ihre Bibel. Sie wirken geistlich stabil.

Und du fragst dich, warum dir dieselben Dinge so schwerfallen.

Warum du nach einer Veranstaltung zwei Tage Erholung brauchst.

Warum du Predigten manchmal nicht verfolgen kannst.

Warum du Gebetsanliegen vergisst.

Warum Gemeinschaft sich oft eher wie Arbeit als wie Erholung anfühlt.

Diese Scham kann unglaublich schwer werden.

Doch Scham ist kein Maßstab für deinen Glauben.

Menschen sehen oft nur das, was nach außen sichtbar ist. Gott sieht auch die Energie, die es dich kostet. Er sieht die Kämpfe, die niemand sonst sieht.


Gemeinschaft im Kleinen

Ich glaube trotzdem, dass Gemeinschaft wichtig ist. Aber sie muss in einem Rahmen stattfinden, der für dich funktioniert.

Bei mir ist das ein Hauskreis in kleiner Runde.

Ehrlich gesagt ist auch das oft ein Opfer. Jedes Mal überlege ich, ob ich noch genug Energie habe hinzugehen.

Der Unterschied ist: Die Menschen dort wissen, dass ich AuDHS habe.

Wenn ich früher gehen muss, weil ich völlig platt bin, kann ich das einfach sagen. Und es ist okay. Ich muss dort nicht maskieren.

Das ist für mich der Schlüssel. Ein Ort, an dem du nicht den ganzen Abend eine Version von dir spielen musst, die es eigentlich gar nicht gibt.

Für mich ist dieser Hauskreis inzwischen meine Gemeinde geworden.

Und ehrlich gesagt finde ich dieses Bild sogar näher am Ursprung als vieles von dem, was wir heute Gemeinde nennen. Die ersten Christen trafen sich in Häusern. In kleinen Gruppen. Im Alltag.

Wenn ich heute Menschen einlade, sage ich direkt:

Ich kann nichts vorbereiten. Wenn ihr etwas auf dem Herzen habt, bringt es mit.

Jedes Mal entsteht daraus ein reich gedeckter Tisch.

Du bist nicht zu sensibel für Gemeinschaft. Vielleicht brauchst du einfach eine Form von Gemeinschaft, die zu deinem Nervensystem passt.


Gebet ist eine Beziehung, kein Termin

Wenn mich heute jemand bittet, für ihn zu beten, sage ich oft direkt:

Ich bete jetzt gleich hier für dich, sonst vergesse ich es.

Das nimmt mir den Druck.

Wenn dir das zu direkt ist, kannst du auch sagen:

Ich bete für dich, wenn ich daran denke.

Dann musst du dich nicht schlecht fühlen, falls es nicht sofort passiert.

Diese feste 30-Minuten-Gebetszeit am Morgen ist für viele Menschen mit AuDHS eher kontraproduktiv.

Ich rede mit Gott über den Tag verteilt. Spontan. Immer dann, wenn mir etwas auf dem Herzen liegt.

Ich glaube, das bildet eine Beziehung besser ab als ein perfekter Kalendereintrag.

Es geht um eine Beziehung. Nicht um einen Termin.


Bibel lesen ohne Gesetz

Beim Bibellesen hilft mir die Audiobibel enorm. Ich höre sie und lese parallel mit. Ohne Audio fällt es mir unglaublich schwer.

Ich habe dafür eine feste Stelle im Tag, aber ich habe aufgehört, daraus ein Gesetz zu machen.

Und ganz klar:

Du bist kein schlechter Christ, wenn du nicht jeden Tag Bibel liest.

Ja, durch die Bibel spricht Gott zu uns. Das ist wertvoll.

Aber Gott spricht auch durch Menschen. Durch die Natur. Durch Gespräche. Durch Kunst. Durch Gedanken.

Wenn du Gott eher im Wald findest als in einem perfekten Leseplan, dann macht dich das nicht zu einem schlechteren Christen.


Regeln, die keinen Sinn ergeben

Wenn eine Regel für mich keinen Sinn ergibt, finde ich mich schwer hinein.

Ich glaube, das ist okay.

Gott hat dir einen Verstand gegeben. Du darfst ihn benutzen.

Fragen zu stellen ist kein Ungehorsam. Es ist Teil einer ehrlichen Beziehung.

Bibelstellen kann man unterschiedlich auslegen. Vieles muss im Kontext gelesen werden. Wer behauptet, es gäbe immer nur eine richtige Lesart, macht es sich oft zu einfach.

Gott sucht keine Marionetten. Er sucht Menschen.

So bestehet nun in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen.

Galater 5,1 (Luther 1912)


Angst, Zwänge und die Sache mit der Therapie

Dass bei AuDHS oft Ängste, Zwänge und depressive Phasen dazukommen, ist leider keine Seltenheit.

Ich selbst habe lange mit Zwängen und Ängsten gekämpft. Themen wie Hölle, Sünde oder Endzeit können das zusätzlich verstärken, wenn dein Kopf ohnehin zu Angstspiralen neigt.

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.

2. Timotheus 1,7 (Luther 1912)

Mir hilft der Gedanke, dass Gott uns nicht den Geist der Furcht gegeben hat, sondern den der Liebe.

Wenn ein Gedanke dich dauerhaft kleiner, hoffnungsloser und gelähmter macht, solltest du zumindest hinterfragen, ob dieser Gedanke wirklich von Gott kommt.

Und ganz deutlich:

Therapie ist kein Mangel an Glauben. Medikamente sind kein Mangel an Glauben. Sich Hilfe zu holen ist kein Mangel an Glauben.

Gott und professionelle Hilfe schließen sich nicht aus.


Nein sagen ist keine Sünde

Früher habe ich in der Gemeinde extrem viel mitgemacht.

Hier helfen. Da dienen. Noch ein Treffen. Noch eine Aufgabe. Noch ein Termin.

Bis irgendwann gar nichts mehr ging.

Heute weiß ich:

Gott braucht deinen Burnout nicht.

Er braucht keine erschöpfte Version von dir. Er braucht keinen Menschen, der sich für ihn kaputt macht. Er will dich nicht ausgebrannt, sondern heil.

Nein zu sagen ist Selbstfürsorge. Und Selbstfürsorge ist keine Sünde.

Deine Grenzen sind keine Schwäche. Sie sind ein ehrliches Maß für das, was gerade möglich ist.

Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Matthäus 11,28 (Luther 1912)


Der Punkt, auf den es wirklich ankommt

Mit AuDHS fühlt man sich sowieso ständig wie der größte Versager.

Deshalb sage ich es so deutlich, wie ich kann:

Dein Wert vor Gott hängt nicht daran, wie gut du funktionierst.

Gott akzeptiert dich nicht, weil du es schaffst, ein guter Christ zu sein. Er akzeptiert dich, weil du sein Kind bist.

Das ist längst entschieden. Nicht durch deine Leistung, sondern durch das, was Jesus getan hat.

An schlechten Tagen, an denen gar nichts geht, bist du genauso sein Kind wie an guten. Deine Vergesslichkeit, deine Müdigkeit und deine Grenzen ändern daran nichts.

Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen!

1. Johannes 3,1 (Luther 1912)

Und falls du das heute hören musst:

Du bist kein schlechter Christ.

Du bist ein Christ mit AuDHS.

Das ist ein Unterschied.

Du musst nicht der Christ sein, den andere von dir erwarten. Du darfst der Mensch sein, als den Gott dich gemacht hat.

Mit AuDHS. Mit deinen Grenzen. Mit deinem anderen Gehirn.

Nichts davon trennt dich von ihm.

Und du bist nicht allein.

Einordnung und verlässliche Grundlagen

Dieser Beitrag verbindet persönliche Erfahrung mit allgemeinen Informationen. Er ersetzt keine Diagnose oder Behandlung. Medizinische Grundlagen kannst du bei den offiziellen Gesundheitsinformationen des Bundes zu ADHS und Autismus nachlesen.

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