Haushalt mit AuDHS. Wie ich es nach Jahren endlich hinbekomme
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Haushalt mit AuDHS. Wie ich es nach Jahren endlich hinbekomme

Max Anton Schneider·

Es gab eine Zeit, da war mein Spülbecken ein Frühwarnsystem für mein ganzes Leben. Solange da nur zwei Tassen standen, war alles okay. Sobald sich Geschirr stapelte, wusste ich: jetzt geht es bergab. Erst der Abwasch, dann die Wäsche, dann die Post, die ich nicht mehr aufmachte. Und das Schlimmste war nicht die Unordnung. Das Schlimmste war das Gefühl dahinter. Dieses leise „du kriegst nicht mal das hin".

Ich habe alles probiert. Putzpläne aus dem Internet. Apps. Wochenraster, in die ich jeden Tag eine Aufgabe eingetragen habe. Montag Bad, Dienstag Küche, und so weiter. Funktioniert hat keiner davon. Nicht, weil ich faul bin. Sondern weil diese Pläne für ein Gehirn gemacht sind, das anders tickt als meins.

Ich habe AuDHS, also Autismus und ADHS zusammen. Für den Haushalt heißt das ungefähr: Ich kann mich nicht jeden Tag neu motivieren, eine kleine Aufgabe anzufangen. Jeder einzelne Start kostet mich Kraft. Und ein Plan, der von mir verlangt, sieben Tage die Woche sieben kleine Hürden zu nehmen, ist sieben Mal die Chance zu scheitern. Beim ersten verpassten Tag fällt das ganze Kartenhaus zusammen, und dann ist der Plan eh „kaputt", also lasse ich ihn ganz.

Was sich geändert hat

Irgendwann habe ich aufgehört, mich besser machen zu wollen, und angefangen, mir die Sache einfacher zu machen. Der Unterschied ist größer, als er klingt.

Statt jeden Tag ein bisschen mache ich den Haushalt an einem festen Block. Bei mir ist das der Samstagvormittag, 8 bis 12 Uhr. Ein Fenster. Eine Entscheidung. Danach ist Schluss, egal was noch offen ist.

So sieht mein Samstag aus. Nicht als Vorlage zum Abschreiben, sondern damit du siehst, wie konkret das bei mir ist:

Erster Durchgang. Küche aufräumen und Spülmaschine an. Blumen gießen. Wäsche und Müll runterbringen. Geld abheben, wenn nötig. Wocheneinkauf. Einkauf einräumen. Putzen und saugen.

Dann die selteneren Sachen. Das Vorzimmer mache ich nur alle zwei Wochen. Den Keller alle drei Monate.

Und zum Schluss der Papierkram. Briefe öffnen. Finanzen checken.

Das war's. Vier Stunden, und der Rest der Woche gehört mir.

Warum das bei mir funktioniert (und was du dir davon klauen kannst)

Wenn du jetzt denkst „vier Stunden am Stück, niemals", dann ist das völlig okay. Mein konkreter Samstag ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, warum er funktioniert. Und das lässt sich auf jede Wohnung und jedes Tempo übertragen.

Ich entscheide nicht mehr morgens, was dran ist. Das ist für mich das Wichtigste. Am Samstag um acht muss ich nicht überlegen, nachdenken, priorisieren. Die Reihenfolge steht. Ich folge nur noch der Liste. Für ein Gehirn, das beim Entscheiden schnell überlastet, ist das eine riesige Entlastung. Die schwere Arbeit, das Sortieren und Planen, habe ich einmal gemacht, nicht jeden Samstag neu.

Nicht alles muss jedes Mal. Schau dir die Liste oben an: Manches mache ich jeden Samstag, das Vorzimmer alle zwei Wochen, den Keller alle drei Monate. Das ist kein Schlampen, das ist der Trick. Die meisten Putzpläne scheitern daran, dass sie so tun, als müsste alles ständig perfekt sein. Muss es nicht. Wenn du die seltenen Dinge bewusst seltener einplanst, wird die Last tragbar, und der Keller staubt trotzdem nicht zu.

Optional darf wirklich optional sein. Bei mir steht der Einkauf als „optional" markiert. Wenn die Woche schon voll war, fällt er raus, ohne dass ich mich schlecht fühle. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber genau die Stelle, an der bei mir früher die Scham eingesetzt hat. Wenn eine Sache offiziell wegfallen darf, ist sie kein Versagen mehr.

Das System dient mir, nicht umgekehrt. Wenn ich an einem Samstag mit drei statt neun Sachen fertig bin, ist das kein gescheiterter Samstag. Es ist ein Samstag mit drei erledigten Sachen. Der Plan ist da, um mir Druck abzunehmen, nicht um mir neuen zu machen. In dem Moment, in dem ich anfange, mich vor meinem eigenen Plan schlecht zu fühlen, stimmt was am Plan, nicht an mir.

Wie du dir deinen eigenen Block baust

Du musst nicht meinen Samstag übernehmen. Fang kleiner an und stiehl dir nur die Prinzipien:

  1. Such dir ein festes Fenster. Nicht „wenn ich Zeit habe", sondern ein echter Termin. Eine Stunde reicht zum Start. Lieber kurz und verlässlich als lang und einmalig.
  2. Schreib die Reihenfolge einmal auf. Damit du am Tag selbst nichts mehr entscheiden musst. Du folgst nur noch der Liste.
  3. Sortiere nach Häufigkeit. Was jedes Mal? Was alle zwei Wochen? Was alle paar Monate? Pack nicht alles in jeden Durchgang.
  4. Markier, was optional ist. Damit ein voller Tag den ganzen Block nicht kippt.
  5. Hör auf, wenn das Fenster zu ist. Auch wenn was offen bleibt. Nächste Woche ist auch noch ein Tag.

Zum Schluss

Ich habe lange geglaubt, ich brauche mehr Disziplin. Gebraucht habe ich eigentlich nur ein System, das zu meinem Kopf passt statt gegen ihn zu arbeiten. Mein Spülbecken ist heute kein Frühwarnsystem mehr. Nicht, weil ich ein anderer Mensch geworden bin, sondern weil ich aufgehört habe, jeden Tag bei null anzufangen.

Wenn du das hier liest und denkst „bei mir ist auch alles schwerer als es sein müsste": Es liegt wahrscheinlich nicht an dir. Vielleicht nur an einem Plan, der nie für dich gemacht war. Bau dir einen, der es ist. Und sei gnädig mit dir, während du das tust.

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